Lungenkrebs fordert weltweit mehr Todesopfer als jede andere Krebsart. Er gehört zugleich zu den wenigen Krebserkrankungen, für die in großen randomisierten Studien ein Früherkennungsverfahren nachgewiesen wurde, das die Sterblichkeit senkt. Dieses Verfahren ist die Niedrigdosis-Computertomographie – LDCT (low-dose CT). Und doch wurde den meisten Menschen, die dafür infrage kommen, die Untersuchung nie angeboten.

Die Evidenz: zwei wegweisende Studien

Die Begründung für das LDCT-Screening stützt sich auf zwei große Studien, an denen zusammen fast 70.000 Menschen teilnahmen.

Der National Lung Screening Trial (NLST), veröffentlicht 2011, verglich eine jährliche LDCT mit einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs bei mehr als 53.000 aktiven und ehemaligen starken Rauchern im Alter von 55 bis 74 Jahren. Das Ergebnis: 20 % weniger Todesfälle durch Lungenkrebs in der LDCT-Gruppe. Das war einer der klarsten Nutzennachweise für ein Screening, die es in der Onkologie je gab.

Die NELSON-Studie, veröffentlicht 2020, bestätigte diese Ergebnisse in einer europäischen Population mit mehr als 15.000 Teilnehmenden. Bei Männern sank die Lungenkrebssterblichkeit nach 10 Jahren um 24 %. Bei Frauen war der geschätzte Rückgang noch größer – 33 % –, beruhte aber auf deutlich weniger Teilnehmerinnen (etwa 2.600) und war nach 10 Jahren statistisch nicht signifikant.

20 %Senkung der Sterblichkeit (NLST)
24 %Senkung der Sterblichkeit, Männer (NELSON)
320NNS über 6,5 Jahre

Wer sich untersuchen lassen sollte

Das LDCT-Screening ist nicht für alle gedacht. Die Evidenz stützt die Untersuchung bei einer klar umrissenen Hochrisikogruppe. In den USA empfiehlt die USPSTF (2021) ein jährliches Screening für Menschen, die alle folgenden Kriterien erfüllen:

  • Alter 50 bis 80 Jahre
  • Mindestens 20 Packungsjahre (Packungsjahre = Packungen pro Tag × Raucherjahre)
  • Aktiver Raucher oder Rauchstopp innerhalb der letzten 15 Jahre

Die Kriterien unterscheiden sich von Land zu Land. In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung seit April 2026 ein jährliches LDCT-Screening für Menschen von 50 bis 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre lang geraucht haben, mindestens 15 Packungsjahre aufweisen und noch rauchen oder vor weniger als 10 Jahren aufgehört haben.

Außerhalb dieser Gruppe überwiegen die Nachteile des Screenings – falsch-positive Befunde, unnötige Biopsien, Strahlenbelastung, Angst – den Nutzen. Genau diese Art der Risikostratifizierung verlangt eine evidenzbasierte Präventivmedizin.

Was „Niedrigdosis“ tatsächlich bedeutet

Eine diagnostische Standard-CT des Brustkorbs bringt eine Strahlendosis von etwa 7 Millisievert (mSv) mit sich. Eine Niedrigdosis-CT lag im NLST im Mittel bei etwa 1,5 mSv – also bei rund einem Fünftel davon. Die niedrige Dosis ist entscheidend, weil sie ein jährliches Screening ermöglicht, ohne dass sich über die Zeit ein nennenswertes Strahlenrisiko aufbaut.

Die Aufnahme dauert etwa 15 Sekunden. Keine Spritze, keine Vorbereitung, keine Sedierung. Sie legen sich hin, halten kurz die Luft an, und fertig.

Das Problem der falsch-positiven Befunde

Das LDCT-Screening hat eine erhebliche Rate falsch-positiver Befunde, und das verdient eine ehrliche Diskussion. Im NLST zeigten etwa 24 % der LDCT-Aufnahmen einen auffälligen Befund. Davon erwiesen sich 96 % als gutartig – meist kleine Lungenrundherde, die zwar Kontrollaufnahmen erforderten, letztlich aber bedeutungslos waren.

Weil das Screening wiederholt wird, summiert sich das Risiko pro Person: Über drei jährliche Runden hatten etwa 39 % der NLST-Teilnehmenden mindestens einen auffälligen Befund, der beunruhigte und weitere Bildgebung nach sich zog. Einige wenige werden wegen Veränderungen biopsiert, die sich als harmlos herausstellen. Das ist ein echter Schaden, und wer ein LDCT-Screening anbietet, ist verpflichtet, dies vor der Untersuchung offen zu besprechen.

Ein vernünftiges Vorgehen

Gute Praxis beschränkt die LDCT auf Menschen, die die evidenzbasierten Kriterien erfüllen (in den USA mindestens 20 Packungsjahre und Alter 50 bis 80; nationale Kriterien unterscheiden sich), und bespricht die Rate falsch-positiver Befunde vor jeder Untersuchung ausdrücklich. Wer die Kriterien nicht erfüllt, dem ist von der Untersuchung in der Regel abzuraten – außerhalb der Hochrisikogruppe überwiegen die Nachteile den Nutzen.

Warum das speziell für Patienten in den USA wichtig ist

Das LDCT-Lungenkrebs-Screening wird von der USPSTF seit 2013 empfohlen und von Medicare sowie den meisten privaten Versicherungen bezahlt. Trotzdem ist die Inanspruchnahme in den USA erschreckend gering – 2022 waren nur etwa 16 % der berechtigten Amerikanerinnen und Amerikaner untersucht worden. Die Gründe liegen im System: Viele Ärztinnen und Ärzte sprechen es nicht an, viele Patienten wissen nicht, dass sie infrage kommen, und Terminvergabe und Nachsorge sind zersplittert.

Was das für Sie bedeutet

Weil die Berechtigung selten automatisch geprüft wird, liegt es oft an den Betroffenen selbst, das Thema anzusprechen. Wenn Sie aufgrund Ihres Alters und Ihrer Rauchervorgeschichte in den infrage kommenden Bereich fallen – auch wenn Sie in den letzten 15 Jahren (in Deutschland: in den letzten 10 Jahren) aufgehört haben –, lohnt es sich, Ihre Ärztin oder Ihren Arzt direkt auf das LDCT-Screening anzusprechen. Hilfreiche Fragen sind:

  • Erfülle ich anhand meiner Packungsjahre und des Zeitpunkts meines Rauchstopps die Kriterien für ein Lungenkrebs-Screening?
  • Wo wird die Untersuchung durchgeführt, und wie werden Lungenrundherde nachkontrolliert?
  • Was passiert, wenn etwas gefunden wird – wer koordiniert die nächsten Schritte?

Literatur

  1. National Lung Screening Trial Research Team. Reduced lung-cancer mortality with low-dose computed tomographic screening. N Engl J Med. 2011;365:395-409.
  2. de Koning HJ, et al. Reduced lung-cancer mortality with volume CT screening in a randomized trial (NELSON). N Engl J Med. 2020;382:503-513.
  3. US Preventive Services Task Force (Krist AH, et al.). Screening for lung cancer: US Preventive Services Task Force recommendation statement. JAMA. 2021;325(10):962-970.
  4. Henderson LM, et al. Prevalence of lung cancer screening in the US, 2022. JAMA Netw Open. 2024;7(3):e243190. doi:10.1001/jamanetworkopen.2024.3190.
  5. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Lungenkrebs-Früherkennung mittels Niedrigdosis-CT: Beschluss zur Krebsfrüherkennungs-Richtlinie. Pressemitteilung, 2025.
Prof. Dr. med. Markus Guba

Leiter des Bereichs Leberchirurgie und Transplantation am Klinikum der LMU München. Gibt dieses unabhängige Journal privat heraus; die Beiträge geben seine persönliche Auffassung wieder. Über →

Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und keine individuelle ärztliche Beratung. Ob eine Untersuchung oder Behandlung für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.